8. Juni 2022

Übersetzungsgerechtes Schreiben: Beispiele

Beispiele aus dem Alltag eines Übersetzers

Übersetzungsgerechtes Schreiben tut jedem Text gut

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich lese unheimlich gerne reale Beispiele aus dem Leben. Nichts Ausgedachtes oder weit Hergeholtes. Einfach das, was wirklich geschehen ist und wie damit umgegangen wurde. Solche Beispiele haben wir aufgrund unserer „Übersetzungsgerechtes Schreiben“-Reihe von unserem ÜbersetzerJames bekommen. Er erläutert sehr anschaulich, was bei Übersetzungen vom Deutschen ins Englische alles schief gehen kann bzw. wo Fallstricke lauern, wenn man beim Texten nicht auch an eine mögliche Übersetzung in eine Fremdsprache denkt.

Wie man es nicht machen sollte

Beim Übersetzungsgerechtem Schreiben geht es oft um das Weglassen von unnötigen Wörtern oder einer verständlicheren Ausdrucksweise. Dieser Satz ist ein Paradebeispiel dafür:

DE:  Das Starten der Maschine erfolgt durch die Betätigung der vorhandenen roten Taste durch den jeweiligen Betreiber.

‚Vorhanden‘ ist zum Beispiel so ein unnötiges Wort: eine nicht vorhandene Taste kann man nicht drücken, also warum extra betonen? Und was ist der ‚jeweilige Betreiber‘? Der Betreiber, der eine Taste drückt. Ein Betreiber, der die Taste drückt, soll die Taste drücken. Nun schauen wir mal die englische Übersetzung an:

EN:  Press the red button to start the machine.

An der englischen Übersetzung könnte sich der deutsche Text ein Beispiel nehmen. Einfach, klar und trotzdem alles Wichtige drin.

Ein weiterer häufiger Fehler beim Schreiben von technischen Dokumentationen sind unpräzise Wörter, z.B. ‚Anlage‘. Hier könnte ‚Maschine‘, ‚Fabrik‘ oder ‚Stereo‘ gemeint sein. Solche allgemeinen Wörter werden oft falsch übersetzt und im TM mitgezogen. James fiel mal auf, dass eine relativ kleine Maschine als ‚Fabrik‘ übersetzt wurde, weil der Übersetzer sich einfach nicht vorstellen konnte, um was für eine Anlage es sich handelte.

Lokalisierung und Transkreation: auch in der Technik ein Thema

Speziell für die USA gibt es eigene Regeln im Übersetzen. Man sollte nie ein Produkt oder eine Dienstleistung als ‚perfekt‘ oder ‚vollkommen‘ bezeichnen, auch wenn es im Original steht, weil dies eine teure Klage nach sich ziehen könnte. In Amerika können Verbraucher beim seltenen Fall, dass etwas schiefläuft, sofort klagen, statt zu reklamieren. Große Sammelklagen, die das Unternehmen teuer zu stehen kommen, sind keine Seltenheit. Daher sollten solche absoluten Adjektive vermieden werden.

Außerdem gibt es im Englischen keine kleinen Marken- oder Eigennamen. Da sowieso alle Substantive klein geschrieben werden, werden Firmennamen und Marken großgeschrieben, um diese hervorzuheben. Im Deutschen ist es aber oft der Fall, dass aus optischen Gründen Firmen- oder Markennamen klein geschrieben werden, z.B. beim Mobilanbieter ‚easy‘. Deren Slogan ‚an easy plan‘ würde im Englischen nicht auffallen, ‚easy‘ würde nicht als Markenname wahrgenommen werden. Wenn der/die Übersetzer/in dann ‚an Easy plan‘ daraus macht, gefällt das verständlicherweise dem Auftraggeber nicht, da es seltsam aussieht, fast wie ein Tippfehler. Aber nur so würde im englischsprachigen Raum überhaupt auffallen, dass es sich hier um eine Marke handelt. Solche Beispiele sorgen regelmäßig für Diskussionen zwischen Auftraggebern und Übersetzern.

Ein weiteres Beispiel sind Produktnamen, die in der Übersetzung eine ganz andere Bedeutung haben. Vor allem im Bereich Taschen und Rucksäcke gab es lustige Begebenheiten. Ein Produkt wurde in Deutschland als ‚Body Bag‘ vertrieben – dies bedeutet auf Englisch ‚Leichensack‘. Ein anderes Produkt, das aus recycelten Materialien besteht, wurde ‚Comebag‘ genannt (als humorvolle Anspielung auf ‚come back‘) – allerdings beutet dieses Wort im Englischen etwas sehr Obszönes. Bei einer Übersetzung fällt so etwas sofort auf, dann ist es aber schon zu spät und das Produkt wird so in die weite Welt geschickt. Auch mit anstößigen oder unpassenden Produktnamen. Legendär sind auch die allseits bekannten Autonamen-Pannen. Der ‚Mitsubishi Pajero‘ und der ‚Ford Pinto‘ bedeuten im brasilianischen Portugiesisch Schimpfwörter bzw. Obszönitäten. Auch Peugeot hatte bereits im Ausland Probleme – die Übersetzung ins Chinesische ‚Biaozhi‘ klingt nämlich ähnlich dem chinesischen Wort für ‚Prostituierte‘. Auch große Marken sind vor solchen Debakeln nicht gefeit.

Übersetzungsgerechtes Schreiben: unverzichtbar in der technischen Doku

Denken Technische Redakteur/innen, Marketingspezialisten, Produktmanager/innen und Chefs bereits ganz am Anfang an eine mögliche Expansion ins Ausland, hilft dies langfristig auch den Übersetzer/innen und spart Kosten und Zeit. Aufwendige Lösungen entfallen, die Sprache wird insgesamt einfacher und verständlicher – bei so vielen Vorteilen ist es erstaunlich, dass nicht jedes Unternehmen sein Augenmerk auf übersetzungsgerechtes Schreiben richtet.

Interessieren Sie sich für das Thema ‚Übersetzungsgerechtes Schreiben‘? Wir helfen Ihnen gern bei dieser Herausforderung. Wenn Sie noch mehr zum Thema wissen möchten, fragen Sie gern unser E-Book „Übersetzungsfehler / Übersetzungsgerechtes Schreiben“ an. Oder melden Sie sich mit Ihrer Frage bei unserem Projektmanagement-Team unter mail@comlogos.com. Wir beraten Sie gerne und unterstützen Sie beim Erstellen Ihrer Dokumentationen in Hinblick auf eine spätere Übersetzung.

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