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  • Der IHK-Neujahrsempfang


    Intelligent übersetzte Politik:
    Eine Bestandsaufnahme zur Wirtschaftslage im Südwesten

    Der Blick in die Industriegeschichte schadet keinesfalls, wir tun das auf unseren Internetseiten über unsere Fachgebiete auch. Zu wissen wo man herkommt, ist eine Grundvoraussetzung dafür, zu erkennen wo man hin möchte. So war es sehr spannend, als COMLOGOS kürzlich zu Gast beim Neujahrsempfang der IHK Region Stuttgart, genauer bei der Bezirkskammer Rems-Murr, zu sein. Es sollte alles in allem ein begeisternder Appell an die Zukunft werden…

    Jede technische Revolution brachte die Angst, dass dadurch Arbeitsplätze bedroht werden und verloren gehen:

    • Webmaschinen wurden von Heimwebern als Bedrohung gesehen;
    • das Automobil von Pferdehaltern, Sattlern und Kutschern;
    • Dieselloks von den Heizern auf Dampflokomotiven;
    • Roboter von Fließbandarbeitarbeitern...
    • und die E-Mail von den Briefboten.

    Aber was und wen bedroht die KI, die Künstliche Intelligenz?

    Claus Paal, der Präsident der IHK Bezirkskammer Rems-Murr, machte in seiner Begrüßungsrede deutlich, dass das Gegenteil der Fall ist. Dies gilt nach seiner Ansicht insbesondere für den Rems-Murr-Kreis, den er kühn als das Zentrum der Innovation in Baden-Württemberg und damit ganz Europas bezeichnete. Schön, dass wir mitten drin sind!

    Im Gegensatz dazu ist aber auch ein ganz anderer Trend zu sehen – der Bundeswirtschaftsminister ging später noch etwas näher darauf ein: Die wirtschaftliche Entwicklung unterliegt Grenzen, die wenig bis nichts mit dem hohen Ausbildungsniveau oder mangelndem Arbeitswillen der nachfolgenden Generation von Rentenzahlern zu tun hat. Aber etwa 40 % der Hochschulabsolventen wollen in den Öffentlichen Dienst, 2016/17 waren es noch 32 %. Dies zeigt uns hinsichtlich der wünschenswerten Maschinenauslastung und auch bezüglich der Auftragslage Grenzen auf, die es gilt strategisch zu betrachten und aufzulösen.

    Was nun folgte, war alles andere als ein politisches oder gar rhetorisches Waterloo.

    Waterloo

    Battle of Waterloo (William Sadler, 1815)

    Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier referierte wuchtig und feinsinnig zum Thema Wirtschaftspolitik in Zeiten globaler Herausforderungen. Gleich zu Beginn setzte er ein klares Statement zu seiner Person, zu seiner Herkunft und zu seinem Ruf als Minister aus der zweiten Reihe: „Der Saarländer glänzt mit Durchhaltevermögen.“ So habe…

    1. Michel Ney, Fürst von Elchingen, gebürtig in Saarlouis,
      "als Marschall (Maréchal d’Empire) unter Napoleon in Waterloo die französische Armee ruiniert."
    2. Erich Honecker, gebürtig in Neunkirchen (Saar), Ortsteil Wiebelskirchen,
      "die DDR ruiniert" und
    3. Oskar Lafontaine, gebürtig in Saarlautern-Roden (heute Saarlouis-Roden),
      "… die SPD hat sich bis heute nicht davon erholt.“

    Der Minister setzte seinen Auftritt mit einem äußerst schwungvollen und launigen Rundflug über die deutsche und europäische Wirtschaftsgeschichte fort. Interessant war es, hierbei zu erfahren, dass deutsche Firmen ein sogenanntes „Potentialwachstum“ von 1,6 % haben. Mehr ist derzeit nicht möglich, weil dann die Anlagen ausgelastet sind und nicht mehr genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. In der Politik und Wirtschaftslehre spricht man in solch einem Status von Vollbeschäftigung.

    Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie

    Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie

    Allerdings sind diese Entwicklungen und Prognosen bzw. Aussichten und Bestandsaufnahmen zwar nicht gefährdet, aber sie unterliegen einem Wandel, wie er vor ein paar Jahren noch nicht absehbar war. Selbstverständlich ist jeder technologische Fortschritt ein Indikator für Konkurrenzfähigkeit im internationalen Markt; ebenso sind Innovationen, das war an diesem Abend mehrfach zu hören, immer der Motor für eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt gewesen – jedoch herrscht allseits Einigkeit darüber, dass die Welt beginnt, nach anderen Regeln zu spielen:

    Der Minister und KI – eine Annäherung an maschinelle Übersetzung

    Gamechanger“ definieren Wertschöpfungsketten global neu. Wer sich scheut, dies zu akzeptieren, wird sich in nicht allzu ferner Zukunft wundern, warum Geschäftstelefonate zukünftig so ablaufen könnten, dass der Lieferant am einen Ende der Telefonleitung Chinesisch spricht und der Kunde am anderen Ende beim Schwäbischen bleibt und sich trotzdem beide glänzend verstehen.

    Diese „Gamechanger“ stehen in der Politik und auch in der Wirtschaft unter engmaschiger Beobachtung, der Südwesten ist ganz vorne mit dabei, sie gar zu definieren, es handelt sich um:

    • e-Mobilität in Kombination mit autonomem Fahren und
    • Künstliche Intelligenz (KI)

    Peter Altmaier war nun ganz in seinem Element. Zwar ist bedenklich, wie Industriemagnaten aus Übersee über die europäische Wirtschaft denken – es entstand für kurze Zeit nachdenkliche Stille im Saal des Backnanger Bürgerhauses, als der Minister von einem Gespräch mit einem Top-Level-Manager von Google berichtete, dem er in flottem Englisch sagte: „Maybe you have the web, but we have the machines.“
    Der Google Manager entgegnete wohl recht unterkühlt und schlicht: „Yes, so we must buy the machines.“

    Aber steht Europa deshalb vor dem Ausverkauf?

    Verlieren wir die Kontrolle oder haben wir sie bereits verloren? An dieser Stelle mag man keine Prognose darüber wagen. Fest steht, dass Forschung und Entwicklung in Europa, in Deutschland und insbesondere im Südwesten eine sehr große Rolle spielen und uns zukunftsfähig halten. Diese Entwicklung, zunehmend in der New Economy, ist vielleicht erst in der Startphase, aber wir alle profitieren bereits davon und werden dies, wenn man es klug anpackt, auch in Zukunft tun.

    Markus Beier (Ltd. Geschäftsführer IHK Bezirkskammer Rems-Murr), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Claus Paal, MdL (Präsident IHK Bezirkskammer Rems-Murr) [v.l.n.r.]

    Markus Beier (Ltd. Geschäftsführer IHK Bezirkskammer Rems-Murr), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Claus Paal, MdL (Präsident IHK Bezirkskammer Rems-Murr) [v.l.n.r.]

    Intelligent übersetzte Politik

    In ganz anderem Zusammenhang sprach Minister Altmaier von Qualität in der Produktion, von Know-how und von intelligenter Fertigung. Ebenso sprach er in äußerst unterhaltsamer Manier von Services, die dank künstlicher Intelligenz eine ganz neue Qualität erhalten. Als kleine Breitseite gegen oben genannten US-Konzern berichtete er über einen Besuch bei einer deutschen Firma, die aktuell im Bereich maschinelle Übersetzung international die Nase vorn hat:
    Bei einem Test wurde er gebeten, einen eigenen Text einzugeben, den die Maschine dann übersetzen sollte. Was der Minister nicht wusste: Die Maschine kann bereits voraus denken. So setzte er sich ans Terminal und begann zu tippen:

    „Ich habe meine Ehefrau“ – die Maschine übersetzte: „I’ve got my wife“

    Altmaier weiter: „um die Ecke“ – die Maschine blieb dran: „around the corner“

    Hier allerdings brach das System ab, schaltete um und ergänzte und korrigierte den Satz in der Zielsprache richtig zu „I killed my wife“, noch bevor der Minister „gebracht“ getippt hatte.

    Wenn wir es schaffen, diese und andere Technologien sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftsbezogen richtig einzusetzen, braucht uns nicht bange um die Zukunft zu sein.

    Wichtig dabei ist, dass wir konsequent bleiben und immer wissen, wann wir recht haben, wie wir es begründen können und was wir tun müssen, wenn wir etwas wollen. Der Minister gab dazu eine ganz eigene Prognose für die Zukunft ab:
    Für ihn ist es eine klare Sache, dass er sich niemals von seinem Pflegeroboter Widerrede gefallen lassen werde, wenn er im Ruhestand sei. Für Peter Altmaier ist klar, wenn er dem Roboter den Auftrag gegeben habe noch ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, dass er dies pflichtbewusst tut, obwohl „vielleicht aufgrund eines Wasenbesuches am Vortag die Harnsäurewerte zu hoch sind“.

    Welche Schlüsse und Konsequenzen ziehen wir als COMLOGOS aus diesem Abend?
    Wir sind dabei. Wir machen mit. Wir bleiben konsequent. Wir wollen die Zukunft:

    Denn „wer immer nur Probleme sucht, wird die Lösung nicht finden“.

    Recht hat er, der Minister.


    Wir danken der IHK Bezirkskammer Rems-Murr / Jan Reich für die Bilder des Abends.
    Ebenso ein Dank an pexels.com für das Teaser-Bild.
    | HPE 24. Januar 2019 |